Vaha Candolucky

Vaha ist ein Mensch, dem Transkultur quasi auf die Füße geschrieben ist – 1992 mit 10 Jahren flüchtet er mit der Familie vor dem Bürgerkrieg in Abchasien nach Russland. 1999 wandern sie von Russland nach Deutschland aus, weil die Eltern hier für ihn eine bessere Zukunft sehen. 
Mit 17 angekommen und als „Ausländer“ abgestempelt, lernt er schnell Deutsch und beginnt Mathe in Erlangen zu studieren. Jedoch bleibt aber kulturell trotzdem in der russischsprachigen Blase gefangen. Zusammen mit seinen Kumpels gründete er „Respublika Rasta“, die erste russischsprachige Funk-Hiphop-Band Bayerns, die schon den ersten Ansatz der Transkultur verfolgt. Das Publikum geht voll ab auf den harten und unrasierten Funk und Hardcore, und auf Vaha’s abgefahrene russische Texte als Frontmann der Band. Nach kurzer Zeit startete Vaha mit paar Freunden das erste Ost Anders Festival, welches eine Brücke zwischen dem osteuropäischen bzw. slawischen und dem westeuropäischen Kulturraum hier in Nürnberg werden sollte. Ost Anders existiert bis heute, und ist zu einem der interessantesten inter- und transkulturellen Ereignisse in Nürnberg geworden. Damit schafften es Vaha und seine Freunde, das Vorurteil vom aggressiven Russen mit Wodkaflasche in der Hand, zu einem positiven „James Brown auf Russisch“ Image zu wandeln. Weitere Projekte, wie „Electrogrib Party“ und seine nächste Band „Grandmother Funk“ erweiterten diese Ideen, da sie – obwohl meist bestehend aus Vaha und seinen russischsprachigen Freunden – überhaupt keine Musik spielten, die man mit Russland oder dem Osten damals verband. Sie experimentierten mit Electrofunk, Newdisco, Electro, Breakbeat und vielen anderen elektronischen Musikstils. Für „Grandmother Funk“ schrieb Vaha die Texte nicht mehr nur auf Russisch, sondern auch auf Englisch und SOGAR auf Deutsch. Die Band wurde in Nürnberg populär und rockte beim Bardentreffen 2011 die MUZ Bühne. In den nächsten Jahren vertiefte sich Vaha als Einzelgänger in die elektronische Musik und löst sich langsam von der russischsprachigen Blase. Er beschäftigt sich mit Musik und Kunst, die keine Sprach- und Kulturbarrieren haben kann – elektronische Musik und Techno. Mit seiner neuen Reihe „Let It Be Techno“, wird er, als Katze Schroedinger, schnell zu einem der gefragtesten Techno DJs und Liveacts der Stadt und fängt an mit der lokalen Szene zu arbeiten und Freundschaften zu bilden. Ein Jahr später gründet er mit Freunden den Kulturverein Studio Eins e.V., welcher in nächsten Jahren eine sehr wichtige Rolle in der subkulturellen Entwicklung Nürnbergs spielt, und viele musikalische, visuelle und transkulturelle Projekte ins Leben ruft. 
Durch Studio Eins und das Ost Anders Festival lernt er Torsten und Kiki sowie eine Gruppe von weiteren Aktivist*Innen kennen, mit denen er gemeinsam die Vision von einem transkulturellen Netzwerk in Nürnberg definiert und die ersten Global Art Sessions veranstaltet. Der Traum Vahas nicht mehr nur als „Ausländer“ wahrgenommen zu werden, sondern ein Teil des kulturellen Lebens seiner Stadt zu werden, wird wahr. Von und mit Vaha kommen weitere Veranstaltungen des Netzwerkes, wie das Global Art Sommer/Frühlingscamp, der Global Art Jam oder der Global Art Improabend. Im Rahmen des Global Art Festivals 2017 leitet er erstmals die Global Soul Band, die frischen elektronisch und funky behafteten Weltmusiksound in Nürnberg neu definiert. In diesem Jahr moderiert er zusammen mit Sya Albert die Super Global Art Session am Samstag 05.10 und hat sicher den einen oder anderen non-linearen oder vielleicht sogar provokativen Witz dabei – denn in der Diskussion, im Dialog, wie er meint, liegt der Schlüssel zu einer besseren Welt, zu einer Utopie, die man auch Transkultur nennt.